Kooperativ wohnen, arbeiten und gestalten im Denkmal
Eine Schule wird zum Zuhause
Mitten im Zentrum von Zehdenick, einer Kleinstadt im Landkreis Oberhavel rund 60 Kilometer nördlich von Berlin, steht ein backsteinernes Schulgebäude aus dem Jahr 1909. Fast 110 Jahre lang drückten hier Generationen von Zehdenicker Kindern die Schulbank – bis der Schulbetrieb 2019 endete und das Gebäude leer stand.

Die Stadt entschied sich gegen einen Verkauf und schrieb stattdessen einen Konzeptwettbewerb aus. Die Projektgruppe „Großraumbüro”, die seit 2020 an der Idee arbeitete, ungenutzte Gebäude im ländlichen Raum neu zu beleben, überzeugte mit einem Konzept aus drei gleichberechtigten Bereichen: Wohnen, Arbeiten, Gestalten. 2022 kam über einen Besuch in der Alten Schule Karlshorst der Kontakt zur SelbstBau e.G. zustande – und 2023 unterschrieben Stadt und Genossenschaft einen Erbbaurechtsvertrag über 99 Jahre.

Was hier entsteht
Auf dem über 5.500 m² großen Schulgelände bauen wir seit Mai 2025 im denkmalgeschützten Hauptgebäude 19 Wohneinheiten (rund 1.174 m² Wohnfläche) für 25 bis 35 Menschen – vom kompakten Mini-Appartement bis zur großzügigen Familienwohnung:
- Cluster-Wohnung: vier Mini-Appartements (22–25 m²) mit eigenem Bad, verbunden durch einen gemeinsamen Küchen- und Aufenthaltsraum (32 m²)
- 1,5‑Zimmer-Wohnungen (43–56 m²): für Singles oder Paare
- 3‑Zimmer-Wohnungen (79 m²): für kleine Familien
- 4‑Zimmer-Wohnungen (98–105 m²): für größere Familien
Alle Wohnungen und Gemeinschaftsflächen entstehen barrierefrei, drei davon zusätzlich rollstuhlgerecht – möglich auch dank eines Förderzuschusses für den Einbau eines Aufzugs. Im Souterrain richten wir eine gemeinsame Küche ein, die als Treffpunkt für Hausgruppentreffen, gemeinsames Kochen und Feste dient. Draußen wartet der ehemalige Schulgarten aufs gemeinschaftliche Ackern – oder einfach aufs Genießen. Der Umbau läuft, Einzug ist ab Frühjahr 2027 geplant.


Mehr als Wohnen: der ganze Schulcampus
Die alte Schulstandort wird zu einem Ort, der über die eigenen vier Wände hinausreicht. In der ehemaligen Mensa ist bereits ein Coworking-Space entstanden – mit buchbaren Arbeitsplätzen und Meetingraum für alle, die in Zehdenick arbeiten wollen, statt zu pendeln. Die Turnhalle nutzen weiterhin lokale Sportvereine und das Kiez-Kino. Und der Schulhof ist mit seiner kleinen Open-Air-Bühne schon heute ein Treffpunkt für Zehdenick und Umgebung – für Feste, Flohmärkte und spontane Begegnungen.

Wie wir zusammenleben wollen
Alle für sich und trotzdem in Gemeinschaft: Das ist unser Anspruch. Wir wollen solidarisch auf persönliche Bedürfnisse eingehen und gleichzeitig unabhängig bleiben – neue Wohnformen ausprobieren, ohne liebgewonnene Gewohnheiten aufzugeben. Menschen unterschiedlichen Alters und aus unterschiedlichen Lebensrealitäten sollen unter einem Dach voneinander profitieren. Im März 2026 haben wir dafür ein gemeinsames Leitbild erarbeitet, das unsere Werte für das Zusammenleben festhält – verbindlich für Planung und Alltag, und ein Prozess, den wir als Hausgruppe stetig weiterentwickeln.

Für den Wohnraum gilt das Genossenschaftsprinzip: Alle Bewohnerinnen werden Mitglieder der SelbstBau e.G. und damit Miteigentümerinnen ihres eigenen Wohnraums – niemand verdient an den Mieteinnahmen.
Getragen von öffentlicher Unterstützung
Möglich wird das Projekt durch ein Zusammenspiel aus genossenschaftlichem Engagement, öffentlicher Förderung und dem ehrenamtlichen Einsatz der künftigen Bewohner*innen. Die Investitionsbank des Landes Brandenburg (ILB) unterstützt den Umbau mit Mitteln des Ministeriums für Infrastruktur und Landesplanung: einem Förderdarlehen von 2,3 Millionen Euro sowie einem Zuschuss von rund 1 Million Euro über das MietwohnungsbauförderR. Die gesamten Investitionskosten liegen bei 4.177.767 Euro, das entspricht 3.561 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche; die Genossenschaft selbst bringt 835.553 Euro Eigenkapital ein.

Weil im Rahmen der Förderung Sozialwohnungen entstehen, ist für den Bezug ein Wohnberechtigungsschein (WBS) erforderlich – Zehdenick gewinnt so bezahlbaren Wohnraum und neue Bewohner*innen für die Innenstadt.
Die SelbstBau eG, 1990 in Berlin-Prenzlauer Berg gegründet, bringt dafür einige Erfahrung mit: Nach dem Gutsverwalterhaus Hof Prädikow und der Alten Schule Wandlitz ist Zehdenick bereits das dritte Projekt der Genossenschaft in einem denkmalgeschützten Gebäude in Brandenburg.

